Donnerstag, 26. Mai 2011

Laufen, ein Selbstversuch oder der Kampf mit dem Schweinehund

Ich bewundere ja Menschen, die regelmäßig joggen. Ich finde die Vorstellung, morgens eine Runde joggen zu gehen einfach toll. Sich zu bewegen, danach frisch geduscht und einfach fit in den Tag zu starten, klingt doch eigentlich ganz verheißungsvoll. Doch das war immer eine Fantasie, bei der es dann auch blieb.
Gut, ich habe schon während des Studiums und auch danach immer wieder Versuche unternommen, aber dieses Läufergefühl hat sich bei mir nie eingestellt. Ich fand es langweilig anstrengend und einfach .... ach, lassen wir das. Doch seit einiger Zeit will ich ja EIGENTLICH wieder mit Sport anfangen ... Der Plan war, entweder endlich wieder ein Fitnessstudio zu finden (bezahlbar und doch attraktiv) oder einfach mal mit den Gegebenheiten zu arbeiten. Laufen wäre ja was, denn direkt hinter dem Haus ist ein kleiner Park und wenige Meter weiter gibt es zwei große Parks und ständig sieht man Läufer. Meine Vorbereitung beinhaltete ein langsames Herantasten, mentales Einstimmen und sich selbst verarschen: Morgens beim Aufwachen habe ich mir vorgestellt, wie toll es doch sicher wäre, jetzt laufen zu gehen. Systematisch habe ich schon mal die Laufkleidung rausgesucht und in der Wohnung verteilt. Frei nach dem Motto: Wenn der Anfall kommt, dann soll es auch gleich losgehen können. Dann habe ich den Laufguide für Frauen (blv) gelesen, den ich wirklich interessant und hilfreich fand. Theorie alles bestens ...
Dann kam Ostern und ein paar freie Tage. Zeit also, den Plan in die Tat umzusetzen. Als Unterstützung dient das iphone – wer hätt’s gedacht ;-) – mit der micoach App von adidas. Ich habe einen Plan erstellt und mich dem Probetraining gestellt: Absolut ernüchternd! Ich bin so was von unfit und einfach nicht dafür gemacht. Ich schleppe mich mit Platsch-Platsch-Entenschritten voran, tippel vornehm mehr so auf der Stelle oder walze vor mich hin. Dazwischen sehe ich Menschen, die so leichtfüßig und geschmeidig laufen, dass es eine Freude ist, ihnen zuzuschauen. Dazwischen ich: knallroter Kopf, schnaufend und nach spätestens 2 Minuten bin ich am Ende meiner Kraft. DAS ist kein fishing for compliments, sondern die bittere Wahrheit. Warum nur, ist ausgerechnet Laufen sooo schwer?
Mittlerweile sind 5 Wochen vorbei und meine erste Planungseinheit ist fast vorbei. Ergebnis: Ich stehe tatsächlich früh auf und gehe raus. Mittlerweile laufe ich, je nach Programm meine 20-30 Minuten und schaffe es tatsächlich, am Stück zu joggen – hätte ich nicht für möglich gehalten. Ich bin immer noch unendlich langsam, muss zwischendrin gehen, mich von anderen überholen lassen, bin knallrot, schwitze nicht wirklich ladylike, keuche, verfluche mich zwischenzeitlich, hasse Jogger und Gassi-Geher, die mich zwingen weiter zu laufen, weil es mir zu peinlich ist anzuhalten und bin absolut dankbar, dass Dodo weiß, wo sie mich aufkratzen muss, wenn ich nicht in der Agentur erscheine.
Ich bin da ganz ehrlich: Ich bin immer noch kein Jogger, aber zum ersten Mal macht es ansatzweise Spaß und ich sehe tatsächlich Fortschritte, was motivierend ist. Zudem ist es wirklich großartig am frühen Morgen draußen zu sein. Die App ist cool und verschafft Abwechslung und Spaß. Mittlerweile finde ich meinen Rhythmus, weiß, welche Musik mich antreibt und fühle mich gut, wenn ich merke wie sich meine Füße doch etwas leichter vom Boden heben ... Keine Ahnung wie lange das anhält, aber ich plane fest, die 2. Einheit anzugehen.
Noch jemand, der einen Selbstversuch wagt? Dann kommen hier noch meine Top-Laufhits:

Gonny fly now
Je veux
The bad touch
Chariots of fire
Going the distance
That’s not my name
Harder, better, faster, stronger

Donnerstag, 24. Februar 2011

Von Katzen und Menschen

Ich frage mich selbst, wohin der Anfang des Jahres ist? Es ist bereits Mitte Februar und ich bin selbst ganz perplex gewesen: Noch kein Blogeintrag – Peinlich! Eine Erklärung könnten wohl die neuen Mitbewohner sein, die mich seit dem 4. Januar auf Trab halten, vom Schlaf abbringen, für Gelächter sorgen und immer wieder das Herz erwärmen: Don Camillo & Peppone.
Angefangen hat es mit einer zugelaufenen Katze bei meiner Mutter, die – schade für uns – von ihrem Herrchen wieder abgeholt wurde. Aber der kleine Kater war ausschlaggebend. Seit ich auf der Welt bin, gab es immer im Katzen im Haus – zugelaufene, gerettete, gewünschte, gekaufte Stubentiger in allen Farben, Formen und mit den unterschiedlichsten Charakteren. Ich bin also ein Katzenmensch. Während des Studiums und auch danach, habe ich zwar häufig drüber nachgedacht, aber es sprach immer etwas gegen die Anschaffung eines Haustiers. Nachdem ich aber den kleinen Kater so toll fand, war die Idee unwiderruflich ins Gehirn eingebrannt ;-) So kam es, dass wir am 4.1. „nur mal so“ im Internet geschaut haben und siehe da, Dodo machte mich auf eine gerade frisch eingestellt Anzeige aufmerksam. Ein Telefonat und drei Stunden später fuhren wir zum Anschauen. Das Ende vom Lied – es wurden zwei gerade mal knapp neun Wochen alte, rote Katzenbrüder; eben Don Camillo & Peppone.

Am Anfang noch etwas vorsichtig, aber direkt verspielt tapsten sie am ersten Abend herum und nahmen uns in Augenschein. So winzig sie waren und immer noch sind, entpuppten sich beiden als wahre Rabauken. Es wird gespielt, gerauft und entdeckt. Herr Peppi, der Größere entwickelt sich zum extrem verschmusten Wildfang, mit einem Hang zum Schreckhaften und einer Leidenschaft für Haare, die er schnurrend und schmatzend umgarnt. Der kleine Herr Millo hingegen ist der Entdecker, der Wege und Möglichkeiten als Erster erkundet, vehement Kuschelzeiten einfordert und dem großen Bruder beim Kämpfen in nichts nachsteht.
Es ist erstaunlich wie schnell man die kleinen Racker ins Herz schließt und jeden Tag bewundert, wie schnell sie wachsen, lernen und wie sehr sie trotz (wirklich!) zahlreichem und ständigem Besuch sämtlicher Liebhaber des Katzenkindergartens doch ihre Bezugsperson kennen ;-) Nach wenigen Wochen fühlt es sich an, als sei es nie anders gewesen. Erste Verletzungen, Impfungen und Krankheiten haben sie hinter sich, da ihre Erstversorgung offensichtlich leider nicht so gut war wie angegeben. Jetzt kann man ihnen aber förmlich beim Wachsen zu schauen und da sich bereits erste Tendenzen für kleine Kunststücke sowie einem gerade zu eines Hundes würdigen Verhaltens erkennen lassen, bleibt es spannend!

Freitag, 18. Februar 2011

Zwischen Marillenmarmelade und toten Musikern – Thomas Raab liest in Mainz

Auch wenn das Hauptgeschäft von everybody’s public der Bereich PR ist, so liegen uns doch Lesungsveranstaltungen am Herzen. Für mich eine Leidenschaft und ein persönliches Projekt – eine Überzeugung, die ich dankbarerweise mit Dodo teile.
Die erste Lesung ist immer spannend – wie nimmt es  das Publikum auf? Sind alle zufrieden? Erfüllen sich die Vorstellungen?
Wir haben es gewagt und uns für den österreichischen Krimiautor Thomas Raab entschieden. In Österreich ist der Autor bereits ein häufiger Gast auf den vorderen Plätzen der Bestsellerlisten – Zeit für Deutschland den Wiener und seinen feinen, aber treffsicheren Sprachwitz und die pointierten Beobachtungen zu entdecken.
Am Mittwoch, 16. Februar las Thomas Raab in der gut gefüllten Mainzer Buchbar LOMO aus seinem aktuellen, im Piper Verlag erschienen Buch „Der Metzger holt den Teufel“. Der vierte Band der Reihe spielt zwischen Musikern, den sogenannten besseren Kreisen und einem Restaurator, der auch privat mit einigem konfrontiert wird.

Thomas Raab liest aus "Der Metzger holt den Teufel
Wer die Krimis von Thomas Raab nicht kennt, vermutet unter Umständen grobschlächtiges hinter den Titeln um den „Metzger“ ... Dieser entpuppt sich jedoch als durchaus feinsinniger, warmherziger Protagonist mit dem Namen Willibald Adrian Metzger und dem nostalgischen Beruf des Restaurators. Der gemütliche,  kultivierte Protagonist ist ein ungewöhnlicher Ermittler und hat das Potential zur Kultfigur. Er erweist sich als guter Beobachter, als ein Philosoph des Alltags, der ungewollt immer wieder mit kriminellen Geschehnissen konfrontiert wird und die Fälle eher unverhofft löst.
Charmant wie kurzweilig wechselte Thomas Raab während des Abends zwischen Lesungspassagen, anekdotenreichen Erzählungen und amüsanter Interaktion mit dem Publikum, wobei er auch noch zur Belohnung Wachauer Marillenmarmelade verteilte.

Für uns war es ein rundum gelungener Abend mit einem großartigen, zufriedenem Autor, einem begeisterten Publikum, ausgelassener Stimmung und einer lässigen wie passenden Location. Es war sicher nicht die letzte Lesung!