Dienstag, 21. August 2012

Alltagsfluchten

Ich bin ja nicht umsonst nach Mainz zurückgekommen – mein Lokalpatriotismus ist durchaus vorhanden ;-) Aber manchmal vergisst man selbst, wie schön die Region hier ist und was man alles unternehmen kann!
Das Problem ist nur, es gibt ja immer so viel anders zu tun. Entsprechend möchte ich zwar dies und das machen, aber natürlich erst, wenn ALLES erledigt ist. So kommen die kleinen Auszeiten zu kurz. Der Garten schreit nach ordnenden Händen, der Sport fällt knapp aus und spontane Unternehmungen sind rar. Das ist absolut okay, denn es macht unglaublich viel Spaß.
Trotzdem braucht es auch Ruheoasen, um Kraft zu tanken, über den Tellerrand zu blicken und den Kopf frei zu bekommen. Ohne diese Ausbruchszeiten wird es sonst im Arbeitsalltag schwierig. Es ist mir also durchaus bewusst, wie wichtig die viel zitierte Work-Life-Balance: Der Geist ist willig ... in der Umsetzung hapert es aber halt doch ;-)
Entsprechend habe ich mich riesig auf ein paar Tage mit Nele und Eva gefreut. Neben gediegenem Grillpower, lecker Kuchen, guten Gesprächen und lautem Gelächter, waren wir viel draußen unterwegs, waren schwimmen, haben die Sonne genossen und Füße und Seele baumeln lassen ... Gerne im oder am Wasser.
Zusätzlich war ich mit Freunden im rheinhessischen Hinterland unterwegs und habe das satte Grün und die üppige Vegetation
der Landschaft bewundert, habe abends einfach mal alles stehen und liegen gelassen, um ganz kurzfristig Einladungen zu folgen und habe es genossen, bis spät draußen zu sitzen, in Gesprächen zu versacken und wenig Schlaf zu bekommen.
Siehe da, das tut richtig gut! Klar, sind Rhein oder auch ein Freibad nicht gleich das Meer, doch der Blick aufs Wasser entspannt wirklich sehr schnell. Das ist wie ein Turbo-Kurzurlaub.
Das will ich häufiger! Genauso wie zu kurze Nächte. Die rächen sich zwar kurzfristig beim Aufstehen am nächsten Morgen, aber sie geben auch viel Kraft, weil man einfach Spaß hatte. Also Pflichtgefühl und Arbeitstier einfach mal in die Schublade stecken, denn manchmal ist es viel vernünftiger, unvernünftig zu sein ;-)

Freitag, 29. Juni 2012

Urlaub mit italienischem Lebensgefühl

Es ist schon eine ganze Weile her seit meine Füße das letzte Mal Sand berührt haben, der am Meer liegt ... Nach einer Woche Italienurlaub weiß ich: Das möchte ich wieder öfter haben! Zudem möchte ich diese entspannte Atmosphäre der Italiener noch eine Weile in mir tragen und bewahren. Urlaub ist immer anders und Alltag in Italien ist sicher nicht nur entspannt, aber ich mag diese heitere, durchaus lautere und leidenschaftliche Stimmung, die ich eine Woche erleben durfte. Da macht man sich bei vielen Sachen nicht so rum, da genießt man auch einfach mal (habe ich) und man geht einiges ruhiger an, was ich auch manchmal sollte ;-)
Bei 35° und einem wunderbaren Licht habe ich mich pudelwohl gefühlt. Ich habe reichlich köstliche italienische Leckereien geschlemmt habe und bei den Fischgerichten besonders an meinen Vater gedacht, anständig Farbe bekommen, viel gelesen, entspannt und festgestellt, dass Laufen am Morgen entlang eines Strandes eine ganz andere Motivation darstellt als der Park hinterm Haus ;-) Für den nächsten Urlaub weiß ich auch, dass ich möglichst keine Lederwaren mit nach Italien nehme (Eulen nach ...), denn ich habe doch ein klitzekleines bissel geshoppt ;-)
Es war mein erster Italienurlaub seit langem, aber ich habe mich erinnert, dass mich früher schon der Umgang der Generationen fasziniert hat. Das hat mich auch jetzt beeindruckt und gerührt. Der Kreissaal scheint unweit des Strandes zu sein – da werden die Kleinsten bereits an den Strand gebracht, da gibt es Großfamilien, die mit drei- vier Generationen Ausflüge machen und mit der gleichen Selbstverständlichkeit, mit der Kinderwagen durch den Sand gezogen werden, schiebt man Rollstühle ans Meer, damit alle mitkommen können. Ob alt oder jung, man unternimmt gemeinsam etwas und macht sich eine schöne Zeit. Keiner scheint aufgrund seines Alters oder Gebrechens ausgeschlossen und man lebt einfach. Sinnbildlich dafür hat sich ein Bild in mein Gedächtnis gebrannt: Während eine ältere Dame ihre Strandtasche ablegt, um sich einzurichten, hat auch ihr Ehemann sich bereits hingesetzt – und seine Beinprothese unter den Schirm gestellt. Normaler Alltag – der mir aber mit so einer Selbstverständlichkeit in Deutschland noch nicht begegnet ist.
Daher habe ich mich wohl auch in eine „Mädchen-Clique“ verliebt ... Ca. acht italienische Damen im Alter 75+, die wie 20 15-jährige gekichert haben, während sie untergehakt gen Meer staksten und im Wasser Ringelreihen tanzten, plantschten und einfach nur Spaß hatten! So möchte ich auch mal alt werden und die Mädels meines Vertrauens ahnen es: Es geht mit uns so bald wie möglich nach Italien – wir müssen das üben bis zum hohen Alter!
Ich habe die Zeit auf jeden Fall in vollen Zügen genossen, Kraft getankt und abgeschaltet. Seit einer Woche bin ich zurück und stelle fest, dass mein inneres „Duracell-Häschen“ wohl noch durch den Pinienwald hoppelt, denn noch bin ich entspannt ;-)


Donnerstag, 24. Mai 2012

Glück, Schicksal, Zufall ...

Es gibt ja tatsächlich Glücksfälle, glückliche Zufälle, schicksalhafte Begegnungen bzw. Ereignisse. Ich wäre wohl nicht nach Marburg gezogen, hätte Medienwissenschaft studiert, viele tolle Menschen kennengelernt usw. hätte ich nicht vor einer gefühlten Ewigkeit beim Jobben eine nette Frau kennengelernt, die eine Tochter hatte, mit der ich, wie sich herausstellte, studierte. Diese Tochter wiederum plante nach Marburg in eine WG zu ziehen, um Medienwissenschaft zu studieren ... Das war durchaus eine Begegnung, die viel dazu beigetragen hat, wie sich mein Leben entwickelt hat.
Ich denke, dass es oft Zufälle im Leben sind (oder wie auch immer man es nennen möchte), die uns einen gewissen Weg einschlagen lassen. Inwieweit solche Fügungen oder das Schicksal mit höheren Mächten verbunden sind, möchte ich hier gar nicht diskutieren – das wird endlos.
Gerade kürzlich hatte ich es aber mit einer lieben Freundin davon, dass es schon komisch ist, dass Menschen nur das Glück bei anderen sehen, nicht die Entwicklung, nicht die weniger glücklichen Seiten ... Wenn etwas Tolles passiert, sich etwas positiv entwickelt, sich neue Möglichkeiten auftun, heißt es häufig, "Da hast Du aber Glück gehabt! Du bist wirklich von der Sonne geküsst, vom Leben und Schicksal verwöhnt, ein Glückspilz ... " Natürlich gibt es Dinge, die scheinen tatsächlich aus heiterem Himmel zu kommen und man fragt sich selbst, wie das sein kann. Das ist toll und in solchen Fällen freut man sich riesig - und das darf und soll man auch! Menschen, die aber alles nur auf das Glück der anderen (und ihr eigenes Unglück) schieben, nach dem Motto, "So viel Glück möchte ich auch mal haben!" nerven.
Wenn einem tatsächlich etwas in den Schoß fällt, ist das klasse und bei Menschen, die einem nahestehen gilt eh nur eines: sich mitfreuen! Doch wenn alles nur Glück wäre, hätten wir doch nichts in der Hand und könnten nicht selbst für unser Lebensglück einstehen und es beeinflussen. Mit Glück allein ist es selten getan! Wie heißt es so schön? „Jeder ist seines Glückes Schmied“ – sprich, man muss etwas dafür tun. Einfach die Hände in den Schoß legen, reicht nämlich meist nicht.
Bereit sein ist viel, warten können ist mehr, doch erst den rechten Augenblick nützen ist alles.“ (Arthur Schnitzler) Oft bedarf es doch des Mutes und des Zupackens. So oder so sollte man aufmerksam sein, damit die Chancen nicht an einem vorbeiziehen, sondern man sie wachen Auges sieht – und ergreift! Ob man sich dann vom Leben verwöhnt, belohnt oder entschädigt fühlt, sei dahingestellt. Wenn der Zeitpunkt kommt, man also "Glück hat", sollte man zugreifen, die Gunst der Stunde nutzen, sich freuen, dankbar sein und es einfach genießen!