Donnerstag, 4. November 2010

Strasbourg - Plädoyer für spontane Kurztrips

Bunte Fachwerkhäuser im Elsass
So ganz bin ich offensichtlich noch nicht wieder in Mainz bzw. Rheinland-Pfalz angekommen. Erst nachdem Dodo begeistert berichtet hat, dass sie am VERLÄNGERTEN Wochenende wegfährt, fiel mir auf, dass wir an Allerheiligen ja einen Feiertag haben.



Chateau de Pourtalès
Da es allerdings zu spät war, um noch günstig zu Melli nach Hamburg zu kommen, was sich angeboten hätte, habe ich gute Vorsätze geschmiedet. Endlich mal den Reststaub nach der Badsanierung beseitigen, die Wanne einweihen, Ablage machen, Weihnachts(-geschenke)-Pläne schmieden und vieles mehr ... Die Tage sinnvoll nutzen und ein bissel abschalten.

Münster - mittendrin
Doch erstens kommt es anders und zweitens gibt es spontane Menschen – so wie meine eine Tante. Sie schrieb mir lässig am Mittwoch ’ne Mail, ob wir nicht am Wochenende nach Straßburg fahren sollten. War schon mal angedacht und jetzt sollte das Wetter auch noch mal richtig schön werden ... Also, spontan geschaut, ein traumhaftes Hotel zum Schnäppchenpreis gefunden – Chateau de Pourtalès – und schon ging’s am Samstag Richtung Elsass!

Indian Summer Feeling
Fazit nach 3 Tagen mit leggi Essen, tollem Wein, schöner Kulisse und traumhaftem Wetter: Warum um Himmelswillen macht man so etwas nicht viel häufiger? Die Fahrt dauert von hier gerade mal zwei Stunden mit dem Auto. Da lohnt sich sogar ein Tagestrip. Nebenbei bemerkt war die Merian-iPhone-App eine tolle Sache für unterwegs - wer also die Möglichkeit hat ...

Strasbourg - Blauer Himmel, Sonnenschein
Die (aufgefrischte) Erfahrung lehrt, dass man an einem anderen Ort, ganz anders abschaltet! Mein guter Vorsatz also noch im alten Jahr: Öfter mal spontan auch für einen Kurztrip wegfahren! Und der Rat an alle: Macht’s mir nach ;-)

Bleibt nur die Frage: Was könnte das nächste Ziel sein?

Dienstag, 12. Oktober 2010

Mein persönliches Buchmessen-ABC

Wer den Messeturm sieht, ist richtig
A wie Autoren: von aufstrebend über prominent bis überschätzt, von entspannt über geflissentlich bis divenhaft ...
B wie Bücher: jede Menge, Sinnes- und Reizüberflutung, himmlisch, darum geht’s hier
C wie chemische Keule: der unverkennbare, süßliche Geruch auf den Messetoiletten
D wie Drängler: meist im Zusammenhang mit Trolleys, Folge ist der klassische Fußüberfahrer & Hacksenrempler
E wie Essen: von Fingerfood am Stand über überteuert bis hin zu gewagt bei abendlichen Experimenten
F wie Fachbesucher: schwierige Definition beim Anblick von Schülern & Privatpersonen
G wie Gastland: 2010 Argentinien, 2011 Island, oftmals vom arbeitenden Volk kaum wahrgenommen, sofern nicht daran beteiligt
H wie Hallen: War schon mal jemand in allen Hallen? Ich biete dieses Jahr 3, 4, 6 & 8 ;-)
I wie Igitt: Menschen, die husten/niesen & einen mit einer Sprühfontäne beglücken
J wie Jagdbeute: alles, was sich greifen lässt
K wie Kult-Kolumne: ist zurecht der „Messe-Mayer“
L wie Lautstärke: wachsend, manchmal extrem, schlägt sich am Ende in stark beanspruchten Stimmbändern und der Heiserkeit vieler nieder
M wie Messefieber und -beschwerden: Fieber & Adrenalin sind positiv & helfen, die Tage zu überstehen & zu genießen. Die Beschwerden sind meist Heiserkeit, Kopf-, Fuß- & Rückenschmerzen
N wie Nerven, gute: Sollte man haben, ob privat oder beruflich, ähnlich wie gutes Schuhwerk
O wie Orientierungslosigkeit: an Publikumstagen häufig auftretendes Phänomen, meist auf der Rolltreppe
P wie Pause: Auf der Agora, gerne rauchend und schwätzend
Q wie Quellen, spannende: neben der Lektüre des Messe-Mayers, Insider-Gespräche mit Kollegen/Kolleginnen
R wie Rolltreppen: Immer überfüllt und offensichtlich schwierig zu bedienen, Verhaltensfehler
S wie Sekt: kleiner Aufputsch zwischendrin, kann Kreislauf & Laune ankurbeln, wichtig aber ist das Maß!
T wie Tagesform: Mittwoch euphorisch, Donnerstag erste Erschöpfung, Freitag berappelt, Samstag Verdrängung, Sonntag melancholisch & dankbar
U wie Unsitte: Das Klauen von allem! Geht einher mit Unverständnis!
V wie Visitenkarten(-austausch): ein gängiges Ritual unter Kollegen oder Jagdziel bei Besuchern
W wie Wohnzimmer: Nicht nur der Kein & Abel-Stand, sondern, das Gefühl, dass der eine oder andere auf der Messe wohnt ...
X wie X-te Buchmesse für viele: doch ob erste oder x-te, jedes Jahr gibt’s viel zu entdecken
Y wie youtube: Videos auf youtube sowie jede Menge Beiträge auf Twitter & facebook – die Buchmesse war stets zeitnah für die Zuhausegebliebenen erlebbar
Z wie Zum Schluss: es lässt sich gar nicht auf ein kleines ABC beschränken – die Buchmesse ist ein Highlight und das liegt nicht zuletzt daran, dass die Branche eine ganz spezielle und schöne ist!

Buchmesse 2010 – Highlights & Abgründe ...

Die Buchmesse 2010 ist vorüber und so langsam fühle ich mich regeneriert. Zeit also, einen Rückblick zu wagen ... Für mich war es beruflich die 7. Buchmesse und ich kann sagen, nein, es war kein verflixtes Jahr! ;-) Schön war’s, spannend, fröhlich, interessant, inspirierend, überwältigend und oft sehr amüsant ...
Traditionell erliege ich bereits am Montag dem Messefieber. Ich bin aufgeregt und freue mich wie ein Kind auf den Beginn der Messe. Spätestens dann, wenn ich Messeboden unter meinen Füßen spüre, bin ich zu Hause. Es ist wie ein großes Ferienlager – so viele Menschen, liebe Kollegen, noch Unbekannte und teilweise sogar gute Freunde trifft man innerhalb von fünf Tagen. In diesem Jahr war es natürlich besonders spannend: zum ersten Mal mit der eigenen Agentur vorstellig werden und viele Kollegen und Kolleginnen treffen. Mit Dodo an meiner Seite betrat ich am Mittwoch das Messegelände und siehe da, bereits im Shuttlebus trafen wir ein erstes bekanntes Gesicht – und es folgten zahlreiche weitere. Es waren wunderbare Gespräche und Begegnungen. Die Rückmeldungen auf everybody’s public waren durchweg positiv, worüber wir uns natürlich besonders freuen. Wir haben das Terminhopping, die Verleihung von Miss und Mister BookFair (Gratulation an Wibke Ladwig und Philipp Weinbrenner), die Abendessen, die AVP Happy-Hour und vieles mehr genossen. Manches, was ich mir vorgenommen habe, hat nicht geklappt, weil ich doch noch jemandem über den Weg lief und mich spontan verquatscht habe. Aber das gehört auch zur Messe.

Parallel zu unseren Gesprächsterminen haben wir ab Mittwoch kleine Kurzinterviews geführt uns sie auf facebook und youtube eingestellt. Jeweils drei kurze Fragen wurden gestellt und Antworten von Kolleginnen, Autoren, einer Buchhändlerin sowie der Maus gegeben. Es hat viel Spaß gemacht – Danke an alle, die bereit waren, so spontan zu agieren. Wie entspannt trotz Stress alle sind, zeigt die Bereitschaft der Kollegen und auch der Autoren wie Oliver Bottini, Joscha Sauer, Simon Tofield oder dem Koch Sante de Santis sowie nicht zuletzt Herrn Mayer vom Buchmarkt. An dieser Stelle auch Danke für den täglichen Messe-Mayer – eine Kolumne, die zurecht Kultstatus hat.
Trotz Rücken und Füßen, Kopfschmerzen, trockenen Augen und Schleimhäuten – darüber klagen alle auf die eine oder andere Weise – genießt man das bunte Treiben. Dazu kam das unglaubliche Wetter: blauer Himmel und Sonnenschein luden dazu ein, sich auf der Agora zu treffen und zu schwätzen. Gesprochen wurde gerade bei den Treffen mit den Kollegen nicht nur über Fachliches, sondern natürlich auch über die kleinen Messeerlebnisse der besonderen Art, die alle kennen, die auf der Messe arbeiten ....
Bücherbeute - Ich kann einfach nicht anders ...
Zu guter Letzt habe ich mich natürlich selbst auch noch ein bissel dem Bücherrausch hingegeben. Eigentlich nur bei zwei Verlagen gezielt drei Bücher mitgenommen und dann doch bei einem Stand mit englischsprachigen Titeln gnadenlos zugeschlagen ;-) Ich kann einfach nicht gegen meine Natur!
Immerhin habe ich dieses Jahr zum ersten Mal abends auch etwas zu Essen bekommen. Meine Familie hat zu Hause mal nach dem Rechten gesehen und so stand morgens eine frische Tasse schon unter der Kaffeemaschine. Zudem habe ich nicht unterwegs in der Bahn oder auf der Messe mit der heißen Nadel etwas genäht und auch die Portion Fish & Chips konnte ich essen, ohne dass sie mir um die Ohren flog, weil die Kollegin sie mir aus der Hand schlug ;-)


Es war wunderbar! Danke an alle, die dazu beigetragen haben und sich im einen oder anderen Absatz wiederfinden. Ich freue mich riesig auf 2011 und Euch – dann heißt es wieder gemeinsam genießen, reden, lachen und wundern. Ohne all die Kuriositäten wäre es nur halb so schön. Daher halte ich es zum Schluss mit Billy Wilder und zitiere aus One, Two, Three: „Actually, the situation is hopeless, but not serious.“